Dezember 10, 2009

Blogbegleitkarte

Für diejenigen, die gerne irgendwie geographisch einordnen können wollen, was ich hier so treibe, hier nun die praktische Blogbegleitkarte.



Nachdem ich ewig bei den Googlemaps-Tools nach Möglichkeiten suchte, Karten zu beschriften, wurde ich bei quikmaps fündig. Perfekt.

Jiro und Yuuki

Ann und ich waren vor circa einem Monat bei Jiro eingeladen, einem Kollegen in meinem Alter den ich beim - inzwischen monatlichen - Futsal kennenlernte.

Noch etwas Vorgeschichte:
Anlässlich meines Geburtstags wollte ich spontan Kollegen zur obligatorischem Ess- und Trinktreffen in irgendeiner angemessen stylischen Izakaya einladen. "Einladen" heißt hier allerdings, dass trotzdem die Kosten geteilt werden. Wenn man Japaner nicht in mittelschwere Gewissensbredouillen bringen will, sollte man die Kosten nur als Vorgesetzter übernehmen, auch Geburtstage sind da keine Ausnahme, und wenn dann eher in dem Sinne, dass man von seinen Gästen eingeladen wird.

Relativ schnell wurde mir klar, dass ich die Grenze der einzuladenden sehr eng oder ziemlich weit setzen müsste. Ich lud schließlich nach einigem Gehadere ca. 15 Leute ein, darunter einige Leute vom Futsal, die komplette Band, meine näheren Kollegen und noch ein paar ausgesuchte Leute (Zizi schloß ich guten Gewissens aus, denn sie wäre - außer Ann - die einzige Frau gewesen).
Ich schrieb die Mail zwei Tage vor dem Treffen und das scheint hier wohl deutlich zu spontan zu sein. Es hagelte bedauernde Absagen, und letztendlich kamen nur Muto-san und Jiro.
Wir landeten nach dem Essen in der Izakaya (deren Innenarchitektur mich wie schon häufig aus den Socken haute) erst in einem Gamecenter wo wir uns vor einen Purikura-Fotoautomaten (mit anschließender unglaublich kitschiger und kindischer Bild-Dekoration am Bildschirm) schwangen und schließlich zum Karaoke, wo meine Stimme völlig absoff. Mir war nie bewusst, dass ich selbst zu mittleren Tonlagen so unfähig war.
Wir hatten das Programm "Versuchen beim Essen zu Betrinken, dann ab in die Nacht und irgendwie in Karaoke-Bar landen" zu schnell durchgezogen und merkten vom Alkohol so gut wie nichts. Bei einem seiner Lieblingslieder fing Jiro plötzlich an, in unserem winzigen Karaoke-Kabuff herumzuspringen und forderte uns auf mitzumachen, was bei unzulänglichem Pegel zu einer unangenehm gezwungenen Angelegenheit wurde.
In die Nacht waren scheinbar mehrere wichtige Bahnlinien ausgefallen und immer mehr Züge verspäteten sich oder wurden gestrichen. Unglaublich, wieviele Menschen in eine Bahn passen. Und wie locker alle dabei bleiben.

Ein paar Tage später bekamen wir von Jiro also eine Einladung zu seiner "House Party" bei dem u.a. ein "super Gitarrist" kommen solle. Solche Begeisterungsäußerungen kann ich nach wie vor nicht einschätzen. Ich ging von einem mittelfitten Gitarristen aus, der bekannte Lieder einigermaßen annehmbar nachspielen könnte.

Ich holte Ann am Samstag bei Shibuya-Crossing in der Nähe ihrer Sprachschule ab, wo sie in einer Englisch-Lehrerin dabei assistierte eine Diskussionsrunde mit Japanern über "Tod am Arbeitsplatz" zu führen. Laut Ann konnte man die Meinung der Teilnehmer in etwa folgendermaßen zusammenfassen:
- Das wär ja schon nicht so gut, sei aber von den Medien gehypt. ("Bestimmt haben die Verstorbenen Krankheiten verschwiegen.")
- Man selber müsse ja auch soviel arbeiten und könne z.B. keinen Urlaub machen. ("...denn sonst würde ja niemand die Arbeit machen.")
Hätte ja gerne gefragt, ob sie denken, dass in anderen Ländern weniger zu tun wäre.

Ann und ich fuhren also zu Jiro nach Hatsudai, einem relativ ruhigen Wohnviertel in Gehweite von Shinjuku. Jiro holte uns von der Station ab und wir gingen durch das Viertel, über dem man die Skyline von Shinjuku thronen sehen konnte. Der Anblick dieser Wolkenkratzer in näherer Umgebung ist immer noch etwas, bei dem mein Herz eine kleinen Hüpfer macht, vor beim Blick zwischen den niedrigen Wohnhäusern hindurch.
Jiro teilte mit, dass er ebenfalls viele Absagen bekommen hätte und nur Yuuki - der Gitarrist - da sei. (Yuki ist ein Mädchenname, Yuuki ein Jungenname. Gut, dafür haben wir Alexander/Alexandra).

Yuuki spielte gedankenverloren auf seiner Gitarre als wir hereinkamen und begrüßte uns auf für einen Japaner relativ unaufgeregte Art und Weise (ich meine es war ein leichtes Nicken). Während wir in Jiros kleiner Wohnküche (die er sich mit einem Mitbewohner teilte) Platz nahmen spielte er stoisch weiter. Ich hätte ihn vermutlich etwas unsympathisch gefunden, hätte Jiro vorher nicht gesagt dass Yuuki eine Reise von Alaska bis an die Südspitze Argentiniens per Fahrrad gemacht hätte, was jedes andere Gefühl nur mit tiefstem Respekt überbügelte.

Yuuki spielte auf Aufforderung von Jiro nun eines seiner Lieder. Ich kann mit tiefster Überzeugung sagen, dass ich sowas noch nicht gesehen habe. Er vermischte so ziemlich alle Griff-, Zupf- und Anschlag-Techniken die man sich vorstellen (und nicht vorstellen) konnte und macht daraus eine Mischung aus spanischem und japanischem Instrumental. Und obwohl ich sonst um alles was irgendwie nach "World Music" klingt einen großen Bogen machen würe (sorry Rodrigo y Gabriela), war das hier technisch sau-beeindruckend und gar nicht mal so übel. Ich bin nur furchtbar schlecht darin, das glaubwürdig zu zeigen. "Äh, that was awesome." sagte ich, mich zwecklos darum bemühend die angemessene Emotion in die Stimme zu legen.
Jiro hetzte währenddessen in seiner Kochnische herum, brut Fisch und kochte Kohlsuppe für uns.
Ich fragte Yuuki was seine Einflüsse seien und er erzählte, dass er ein Jahr lang in Spanien lebte wo er in einer Flamenco-Schule seine Gitarrenskills erlangte. Auf meine Frage wie er seine Lieder schreiben würde, antwortete er esotherisch. Er sei auf seiner Reise durch Amerika so vielen Extremsituation ausgesetzt gewesen, dass nun für ihn alles flach erscheint und es sehr schwierig ist, einen Punkt der "Vollkommenheit" zu erreichen, aber dann könne er schreiben.
Zum Beispiel sei er in Kolumbien beim Zelten von Guerilla-Kriegern mit Maschinenpistolen ausgeraubt worden und in Alaska hätten Bären vor seinem Zelt gekämpft. Ich ging davon aus, dass er Jon Stewart nicht kennt und unterdrückte es, "Wow..... sometimes when I travel, I get diorrhea." zu sagen.
Jiro zeigte uns die Ausgabe 10 seines kleinen selbstherausgegebenen Info-Flyers "Tabismile", in dem er zweisprachig beeindruckende Reisegeschichten wie die von Yuuki unter die Leute brachte. Er erklärte, es wäre für ihn die Möglichkeit der Selbstwirklichung, die er als Buchhalter in der Firma nun nicht unbedingt habe. Ich war ziemlich angetan von seinem schlichten Drang, diese Geschichten zu verbreiten, und mal wieder kam es für mich ziemlich überraschend wenn ein Japaner plötzlich etwas von seinen "echten Hobbies" erzählt. Allgemein offenbarte er eine ziemlich feinfühlige Seite, die sich auf seiner Website zeigt: "Theme of Tabismile is "Traveling and Society". We continue to focus on person contribute to society and great traveler. Then I promise you bring big smiles to you."
Es zeigt mir immer wieder wie wenig ich die Menschen hier kenne und einschätzen kann, selbst wenn wir scheinbar ähnlich ticken.

Yuuki spielte schließlich sein Lied "Zen", zu dem Jiro eine Meditationspose einnahm und die Augen schloss.

Bevor wir gingen kaufte ich die CD, zugegebenermaßen zum Teil aus dem Grund, das ich es sonst als unhöflich empfunden hätte, nicht unwesentlich aber auch deswegen, weil es ein willkommenes Erinnerungsstück war. Yuukis große Freude darüber ließ mich dann aber wieder zweifeln. (Das Gypsy Kings Cover hätte allerdings definitiv nicht sein müssen)

Hier jedenfalls das Lied "Standing in the Small World", das anfangs zwar leider etwas nach den unschöneren Teilen von Final Fantasy Soundtracks (Küstenstädte etc.) klingt, dann aber aber auf recht supere Weise so weit durchdreht, wie es diese Art Musik zulässt.

Dezember 07, 2009

Going Global

Nachdem ich bereits für ein Mini-Statement als "Global Employee" im CSR-Report interviewt wurde, bin ich unlängst sogar etwas prominenter im internen "Global Magazine" gefeatured, auch hier inhaltlich nahe am Nullpunkt.

Außerdem wurde ich von dem Japaner, der mich damals nach Japan holte - er ist inzwischen Präsident der kanadischen Niederlassung - gebeten ein einseitiges "So geht es mir in Japan"-Statement für seine wöchentliche "President's Message" zu schreiben, was ich gerne tat, denn mittlerweile kann ich bei solchen Fragen schon auf Autopilot schalten.
Er möchte wohl seine Mitarbeiter ermutigen über diese Möglichkeit nachzudenken, obwohl sie derzeit noch ziemlich hypothetisch ist (im Gegensatz zu den japanischen Mitarbeitern gibt es für Nicht-Japaner kein Arbeiten-im-Ausland-"Programm" bei dem sie sich bewerben könnte).
Ich bekam eine e-Mail von einem Kanadier der in der Hotline arbeitet, und er erkundigte sich ob ich denn Japanisch spräche ("Nicht wirklich."), was für offenen Stellen es eigentlich gäbe ("Puh, kein Plan, theoretisch aber ständig welche, weil ja auch Japaner ins Ausland wechseln.") und ob mein Gehalt hier dasselbe wäre wie in Deutschland, was ja irgendwie gemein wäre ("Ist nicht dasselbe, da gibt's eine ziemlich umfangreiche Umrechnung bei der man am Ende gefühlt deutlich besser dasteht.").

Das war es auch schon mit den Prominenzbegleiterscheinungen.
Um der Unglamurösität noch die Krone aufzusetzen wurde die nächste Bandprobe jetzt auf Mitte Januar verschoben. Brauche neues Projekt, dringend.

P.S. Konzertkalender-Update:
14.03. Dirty Projectors (!)
24.03. 65 days of static

November 26, 2009

Corporate Punks

Meine Mitmusiker, bzw. Mitmusizierplanungsspezialisten haben sich auf die japanische Punkband "Bluehearts" geeinigt. Ich erkannte den Vorschlag "Linda Linda" sogar von irgendeinem Karaokeabend wieder.



Notenblätter wurden - natürlich - heute ausgehändigt. Good Times!

November 23, 2009

Clubben: "Ever" in Aoyama


Total in Aoyama verfranst, das wir mittels eines Umstiegs in Shibuya und insgesamt 30 Minuten Fahrtzeit erreichten. Aoyama ist so ziemlich das poshigste Viertel Tokios. Wir kamen mit einer der letzten Bahnen an der Omotesando an, die tagsüber DIE Flaniermeile Tokios ist, zu dieser Zeit aber menschenleer. Nicht im Traum würde man auf den Gedanken kommen, dass hier irgendwo auch Parties stattfinden würden. Es fühlte sich an als würden im Umkreis von 100 Metern nur 2 Personen nicht im Bett liegen.
Wir verliefen uns also weil ich es nicht für nötig hielt, zwischendurch meine iPhone-Navigation zu prüfen und zu sehen, dass wir in exakt die falsche Richtung liefen.
Das "Ever" hatten einen völlig unscheinbaren Eingang, wie irgendwie alle Clubs hier. Ich habe bisher keinen Club gesehen, an dem sich vor dem Eingang ein Pulk bildete. Vielleicht in Roppongi.

Der Abend in Stichpunkten:
  • Club: zweites Untergeschoss mit recht hohen Decken, etwas zu steril aber mit zwei kleineren Tanzflächen (unterschiedliche Musik) und einer Bar dazwischen ganz nett aufgeteilt.
  • Musik: Interpol, The Rapture, Justice, zuviel Bloc Party, Passion Pit, Arctic Monkeys, Animal Collective, Friendly Fires, einige Klassiker (Joy Division, The Smiths, The Cure), Yeah Yeah Yeahs und.....Foals! Ich war sehr hingerissen.
  • Von 1:30 bis kurz nach 2 trat eine japanische Girlgroup auf, die irgendwie nach Sleater-Kinney ohne Intensität klangen. In Verbindung mit der durchaus ihr Handwerk verstehenden Frontfrau und den im völlig abgedunkelten Raum die Wand entlang schleichenden Discokugelreflektionen. Merpeoples. Auf Konserve dann irgendwie doch ganz gefällig. Findet Ann nicht.
  • Keine Indie-Dresscode - wie gesagt, die Indie-Szene steckt hier irgendwie noch in den Kinderschuhen, was sehr positiv gemeint ist.
  • Gaijin-Anteil bei ca. 50%, und das ist vorsichtig geschätzt. Klar was das bedeutet: Leute die in allem laut sind. In ihren Gesprächen, in ihren Bewegungen, in ihren Gesten, beim Tanzen. Wie mich dieses "Augenkontakt"-Tanzgebaren nervt. Diese Leute halten oder suchen ständig Augenkontakt mit ihrer Peergroup, und versuchen sich in "verrücktem" Tanzen zu überbieten. Eine blonde Ami-Bratze schrie den Barkeeper mit "Yeaaah, arrigahtoohh, wooooou!" an, als er ihr ihren Vodka-Longdrink machte. Erinnerte mich sehr an die hier.
  • Praktischerweise wurde mir immer durch Ann mitgeteilt, wenn mich irgendeine weibliche Anwesende "abgecheckt" hat. War nur zweimal der Fall, während sie von einem Amerikaner angesprochen wurde. Mehrmals, selbst als ihm klarwurde dass ich zu ihr gehöre. War die Anmache, sich vor ein Mädchen zu stellen und sie zu einem High-Five aufzufordern jemals etwas anderes als erbärmlich? Zudem wurde ihr von einem Japaner ein Bier beim Tanzen angeboten, und ein anderer versuchte sie mit ungelenken Dancemoves anzubalzen.
  • Wie schon im Que-Club in Shimokitazawa war wieder eine VJane am Start die auf zwei Leinwänden Videos der Bands einspielte. Nicht selten wurde das Musikvideo eines Liedes gespielt, das gerade nicht lief.
  • 2300 Yen mit einem Drink-Ticket das für ein Getränk zwischen 500 und 800 Yen nutzbar ist. Untere Preisklasse Tokios und so verschiebt sich auch die eigene Wahrnehmung, dass man denkt man würde auf eine "günstige" Party gehen.
Club: 9/12
Leute: 6/12
Musik: 10/12
Gesamt: 8/12

Nächste mögliche Party: Vanity (VANITY is an ELECTRO/DANCE-ROCK party. A mix of models, fashion kids, hipsters. Urks.)

November 22, 2009

Clubben - jetzt erst recht


Wer sich an ein paar von den Nachtleben-Geschichten hier erinnern kann (wenn das denn möglich ist bei diesen unmöglichen Blog-Ruhezeiten), der weiß wie schwer es mir fällt hier in die „Club-Szene“ einzutauchen. Sie spielen einfach nicht meine Musik, oder sind viel zu unzuverlässig was Besucheranzahl und Musikauswahl angeht.

Womb und Ageha sind bei allem Gigantismus und Reinstürz-Faktor musikalisch halt nur am Rand mein Ding.

Ich weiß noch, wie ich das Internet vor meinem Umzug nach „Tokyo Indie Clubs“ leergesucht habe, aber ich fand einfach überhaupt nichts brauchbares.

Anderen ging es wohl lang ähnlich, haben aber irgendwann plötzlich den Dreh rausgehabt und sind nun so nett es zu sharen.

There is a large and vibrant indie music club scene in Tokyo. Yet for your average non-Japanese speaking foreigner living in or visiting Tokyo, these nights are often hard to find. This was our experience when we first touched down in Japan a few years ago. Coming from the indie hot spots of London, New York, Melbourne and Philadelphia, we came on the promises of Harajuku high fashion parties, neon lit back alleys and underground basement bars which oozed indie cool. Yet week after week we found ourselves disappointed and dejected, slouched in some corner of a cheesy R'n'B club. It took a while, but as we found our feet with the Japanese language we started to get to grips with the indie scene here. We realised what we really could have done with was a go-to site available in English, which listed indie club night events going on in and around the Tokyo area. And so we decided to put together Tokyo Indie in order to give other indie lovers a fighting chance.

www.tokyoindie.com

Für Ann und mich ein verdammter Glücksfall, denn die Seite scheint es erst seit Anfang Juni zu geben. Verrückterweise war bis dorthin einfach niemand in der Lage diese Info für Nicht-Japaner bereitzustellen.

Und es zeigt sich trotzdem, was für ein Nischenprodukt Indie-Partys hier sind. Die Clubnamen sind mir völlig unbekannt und wohl größtenteils auch ziemlich winzig.

Da der morgige Montag ein Feiertag ist (Arbeitsdank-Tag / Labour Thanksgiving Day - kein Scherz) werden Ann und ich jetzt mal eine Party auschecken. Das klingt alles jedenfalls sehr vielversprechend.

Konzerte

Das letzte halbe Jahr war konzerttechnisch eine herbe Enttäuschung. Ich war davon ausgegangen, dass eine Stadt wie Tokyo dauerhaft großartige Bands zu Gast hätte (von den hiesigen noch zu entdeckenden Bands mal abgesehen).
Dabei war mein erster Tokyo-Besuch so vielversprechend. In den 5 Tagen, die ich hier im letzten Dezember verbrachte traten hier MGMT und Friendly Fires auf. Beide Konzerte konnte ich nicht besuchen, da die Abende schon arbeitstechnisch verplant waren, und ich konnte ja schlecht sagen: "Hey zukünftige Kollegen, echt nett dass ihr mich schonmal eingeladen habt um euch und Tokyo kennenzulernen, aber ich hab jetzt erstmal mein eigenes Programm, kthxbye."

Hier also mal eine relativ vollständige Liste der Bands/Acts in meinem erweiterten Interessenspektrum, die seit meiner Ankunft hier auftraten (in zeitlicher Abfolge):

- Of Montreal
- The Fratellis (eine der Bands die hier irritierend angesagter sind als in Europa)
- Oasis
- Beck
- The Hives
- NoFX, Bad Religion (bin sicher, einige Punkrock-sozialisierte würden mich dafür erwürgen, nicht gegangen zu sein)
- ISIS, SUNN O))), Boris, envy, GROWING (arbeitstechnische Verpflichtungen hielten mich ab, sonst wäre ich dagewesen, bei dem Gesamtpaket)
- White Lies (habe sie bis heute nie gehört. Nach dem Anfangshype nur noch schlechtes darüber gelesen)
- Joanna Newsom (wurde abgesagt)
- No Age
- Deerhunter
- Ben Folds (fiel genau in meinen Heimaturlaub)
- Fuji Rock Festival (dito)
- Summersonic Festival (war mir etwas zu teuer, keine einzige der mir lieben Bands verband den Auftritt mit einer Clubtour, Schlag ins Gesicht)
- The Wire mit Moderat (Moderat ziemlich super, Rest so la la)
- Dälek
- Gallows (abgesagt)
- La Roux
- Metric
- Little Boots
- Arctic Monkeys
- Cursive (was bereits ausverkauft war, als ich Karten in einem Kombini bestellen wollte, gna)
- Franz Ferdinand
- Bloc Party (wir hatten bereits Karten, dann wurde es abgesagt)
- Vampire Weekend

Das war es. Ich weiß, ich hab mich nicht unbedingt mit Ruhm bekleckt, bei fast keinem dieser Konzerte gewesen zu sein, aber mal ehrlich: von Tokyo erwartet man doch ein bisschen mehr, oder? Wenn ich jetzt nochmal zurückschaue, wirkt die Liste immer noch so zusammengewürfelt, und für mich persönlich so highlightlos wie nur was. Da können mindestens Köln, Hamburg, Berlin mehr bieten. Natürlich ist es nicht ganz fair, da hier gleichzeitig hunderte Konzerte von japanischen oder anderen asiatischen Acts laufen, aber soweit bin ich noch nicht.

Demnächst geht's aber los. Hier die Liste der bisherigen Ankündigungen für die nächsten Monate mit dem praktischen (!)-Indikator, wenn ich einfach da sein MUSS:
- 24.11 Owl City
- 06.12. Johnny Foreigner, Patrick Wolf u.a. im Rahmen des "British Anthems"-Festivals
- 13.12. plus/minus
- 14.12. Yo La Tengo
- 15.12. Converge (!)
- 06.01. Kasabian
- 12.01. Muse (!)
- 14.01. Girls
- 23.01. 2many DJs, Vitalic
- 04.02. The Horrors
- 05.02. Passion Pit (!)
- 08.02. The Gossip
- 11.02. Do Make Say Think
- 14.02. The Pains of Being Pure At Heart
- 20.02. Mew
- 06.03. Isis, Baroness
- 07.-08.04. Pavement
- 23.04. Wilco (!)

Das sind die nächsten 6 Monate, und ich bin sicher da werden noch ein paar Sachen kurzfristig angekündigt. Im Schnitt schon jetzt besser als das was die letzten knapp 9 Monate brachten. Irgendjemand Bock, da weitere Ausrufezeichen zu setzen?

November 21, 2009

Putting an end to this mess

Auch wenn es ich so behaupten könnte.:Die Zeit ist nicht so schnell vorbeigegangen, dass ich das Bloggen einfach mal für 1,5 Monate vergessen habe. Es war mir unangenehm und wurde mit jedem Tag unangenehmer. Fakt ist, dass die Zeit zum Schreiben einfach rapide geschrumpft ist. Ich nehme mir hierzu nun manchmal kurz Auszeit auf der Arbeit und tippe ein paar Absätze in einen Texteditor. Ich hoffe, so komme ich wieder auf einen angemessenen Blogrhythmus.

Bevor große Erwartungen entstehen: eine längere Zusammenfassung der letzten Wochen kommt gar nicht in die Tüte.
Ich beschränke mich statt Tagebuch-Kram also auf das Zeug bei dem ich Jieper darauf habe, es zusammenzufassen und zu sharen.

Trotzdem ein paar Stichpunkte, die garantiert länger werden als ich es mir vornehme:

  • Eltern dagehabt. Für meine Verhältnisse einen überraschend guten Gastgeber abgegeben. Sogar meine Eltern waren gerührt, meine ich. Ungleich überwältigtiger waren sie aber von Japan selbst. Meine Mutter habe ich selten so begeistert erlebt. Vor allem die Mode-Experimentierfreudigkeit der Japaner, der unerwartete Variantenreichtum des Essens und die wahnsinnige Freundlichkeit der Menschen hatten es ihr angetan.
  • Eine Woche später kam Ann und wir leben uns jetzt zusammen durch Tokyo. Sie nimmt Japanischstunden, hat über ihre Sprachschule, einen früheren japanischen Unifreund und durch Couchsurfing-Bekanntschaften schon so etwas wie einen eigenen Bekanntenkreis aufgebaut, was ich ziemlich begrüße. Es sieht so aus als würde sie jetzt auch einmal in der Woche in einer Englischklasse der Schule bei Diskussionen assistieren (bisher "Tod durch Überarbeitung" und "Japanische Geschenkkultur - übertrieben oder angemessen"). Einhellige Meinung zu "Tod durch Überarbeitung" war, dass es von den Medien aufgebauscht wäre und die Gestorbenen bestimmt anderweitig angeschlagen gewesen wären. Außerdem hätte man in Japan nunmal soviel zu arbeiten. Ferien würden sie auch nicht machen können, weil dann ja niemand da wäre, der ihre Arbeit machen könnte.
  • Zudem wurde sie bisher schon dreimal auf der Straße angesprochen, ob sie Lust hätte Fotos machen zu lassen, was ja in anderen Ländern Alarmglocken angehen lassen würde, hier aber wohl eher die David-Schumann-Glocke angehen lässt. Einmal gab sie nach und wurde auf der Straße für das "PS"-Magazin fotografiert, die wohl in jeder Ausgabe so einen Streetstyle-Bereich haben.
  • Wir haben mit "How I Met Your Mother" wieder eine Serie gefunden, die unseren Nerv genau getroffen (in kann sie immer noch nicht dazu bewegen, mit mir The Wire durchzuschauen). Ich will unbedingt Marshall zum Freund. Jason Segel <3.>
  • Die Band kommt nicht aus dem Tritt. Die letzte Probe war ganz spaßig, aber als wir das zweite Mal dieselben Green-Day Lieder anspielen wollten wurde uns allen wohl bewusst, dass das auf der Dauer nicht so der Bringer ist. Ich schlug in der folgenden Woche in einer e-Mail "Bleed American", "Everlong", "Watermark" und "Just" vor, und bot mich auch als Sänger an. Bis auf Tom, der Everlong kannte, waren die Lieder allen Bandmitgliedern unbekannt. Ich weiß nicht, ob diese Band Zukunft hat. Was soll's. Bleed American wäre meine erste Wahl gewesen (Drumming+Singen noch an ehesten machbar), aber die anderen würden lieber nach Score spielen und den gibt es nur zu Just und Everlong. Everlong it is. Jetzt muss ich erstmal üben.
  • Anfang November hatten wir ein weltweites Meeting auf dem ich für mein Konzept (das hier bei Kollegen immer noch auf eine nicht zu übersehende Portion Skepsis stößt) ordentlich Zuspruch bekommen habe, ob aus Deutschland, England, USA, Australien, Hongkong oder China. Sogar der Bereichsleiter der japanischen Niederlassung hatte ein paar lobende Worte übrig auch wenn ich nicht ganz einschätzen kann, ob das lediglich eine Höflichkeitsgeste war. Jedenfalls waren auf dieser Veranstaltung auch drei frühere Kollegen zugegen, davon zwei Japaner. Sie brachten mir Essen aus Deutschland mit: 80% Wurst, 15% Sauerkraut, 5% Christstollen. Irgendwie ja schon herzallerliebst. Da ich zu diesen beiden schon in Deutschland ein sehr sehr gutes Verhältnis hatte, war es die wahre Freude sich mit ihnen zu unterhalten, natürlich auch auf japanisch. Das beste ist, dass sie in ihrer eigenen Sprache noch viel "freundschaftlicher" rüberkommen als mit ihrem - guten aber etwas steifem - Englisch, weil Japanisch für sie viel direktere Emotionen zulässt. Da liegen Welten dazwischen. Wär am liebsten jeden Abend mit den beiden Trinken gegangen, aber am Ende wurde es dann doch nur der Tag vor der Abfahrt.
  • Im Büro ist in letzter Zeit die Mundschutz-Rate rapide gestiegen und ich angesichts meines andeutenden obligatorischen Spätherbst-Schnupfens werde ich wohl bald auch nachgeben und zu den Gaijins gehören über die ich sonst die Nase rümpfte, ob ihrer aufgesetzten Angepasstheit.
  • Mache aufgrund ziemlicher Absenz bei Walex und dem Internet im Allgemeinen kaum noch Musikneuentdeckungen. Lästig. So hänge ich jetzt vor allem ziemlich in der Vergangenheit ab. Jimmy Eat World, Foo Fighters, Interpol, New End Original, Weakerthans. Ich bitte um Hilfe dabei, mich etwas weniger alt zu fühlen.


Stay tuned. Habe hier noch ein paar ungecopypastete Textdateien herumliegen.

Oktober 08, 2009

Mailkonventionen

Ich komme derzeit nicht so wirklich zum Schreiben, denn meine Familie besucht mich dieser Tage und da muss sich das Blog zwei Faktoren unterordnen: erstens den Verpflichtungen als guter Gastgeber, zweitens der Tatsache, dass sie dieses Blog nicht kennen, ich mich noch nicht entschieden habe, ob ich ihnen von diesem Blog erzähle und ich daher nur nach dem Schlafengehen schreiben könnte (oder auf der Arbeit, wie jetzt. Den Inhalt schreibe ich in einen Text-Editor und formatiere ihn nur noch kurz zu Hause für den Blog).
Ich möchte kurz etwas zu Mailkonventionen im japanischen Geschäftsleben schreiben. An anderer Stelle wies ich ja schon auf wiederkehrende Floskeln hin. Diese finden sich größtenteils auch in e-Mails an festgelegten Stellen wieder.
Eine Standard-Mail zwischen zwei - sich nicht zu nahe stehenden, aber sich auch nicht komplett fremden - Kollegen läuft so:

"Suzuki-san,
Itsu mo osewa ni narimasu. [Abteilung] Matsumoto desu.
[Inhalt]
Ijou, yoroshiku onegaishimasu."

Deutsch:
"Suzuki-san,
Wie immer helfen sie mir sehr. Dies ist Matsumoto(Nachname) von [Abteilung].
[Inhalt]
Das ist alles, ich bitte sie um diesen Gefallen."


Schon der erste Teil wirkt sehr putzig redundant, vor allem da er häufig auch in Ping-Pong-Mails gerne wiederholt wird und man den Absender doch schon vor dem Öffnen der Mail und im Mail-Header erkennen kann.

Die letzte Satzhälfte wird natürlich nicht unbedingt verwendet, wenn man eine reine Informationsmail sendet, die keine Bitte um Hilfe enthält. Wenn allerdings mit dem Inhalt der Mail eine indirekte Bitte impliziert wird (wie zum Beispiel beim Bekanntgeben neuer Verkaufsziele oder der Beschreibung eines Problems, dessen sich jemand annehmen sollte), dann wird "Yoroshiku onegaishimasu" trotzdem angehängt.
"Ijou" soll verdeutlichen, dass der Inhalt an dieser Stelle endet. Der Name des Senders wird (außer manchmal über eine Signatur) nicht mehr genannt. Ijou heißt eigentlich "mehr als...". Zum Beispiel heißt 10ijou "mehr als 10...". Die implizierte Bedeutung ist das stark und für nicht-Japaner missverständlich abgekürzte "[Inhalt]ijou wa arimasen" (Es gibt nicht mehr als diesen Inhalt [zu sagen]).

Wenn ich diese Konvention selbst befolge (was niemand von mir verlangt oder erwartet) komme ich mir immer ein bisschen so vor, als würde ich mich darüber lustig machen, weswegen ich es meist lieber weglasse. Ich gehe auch davon aus, dass der Subtext dieser Standardbausteine ein etwas anderer wäre, wenn "der Europäer" sie anwendet. Es gibt auch das Sprichwort "Japanischer als die Japaner", das nicht unbedingt als Kompliment zu verstehen ist. Es als Balanceakt zu bezeichnen wäre übertrieben, aber eine "Linie" habe ich noch nicht gefunden. Derzeit habe ich das Gefühl, dass es den Kollegen auch ziemlich gleichgültig ist. Selbst sind sie aber in den meisten Fällen schon daran gebunden, auch wenn ich das Gefühl habe, dass sie sich bei lockerer Handhabung wohler fühlen würden. Es hat sich aber so eingespielt (als jemand der anderes gewohnt ist könnte man auch "festgefahren" sagen), dass es für Japaner schwierig ist aus diesen Konventionen auszubrechen.

September 30, 2009

Video: Skyline von Tokyo

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich kannte die Tokioter Skyline nicht bevor ich hier lebte. Zugegeben, sie ist nicht so einprägsam wie andere Skylines, weil mehr durch Einförmigkeit statt markanter Gebäude geprägt.

Hier also im unglaublich aufwändigen und sehenswerten Zeitraffer mit schöner Musik zum Wegschlummern unterlegt:

remanence : variance from Samuel Cockedey on Vimeo.

Ab 1:29 sieht man in der linken Bildhälfte den dreitürmigen Park Tower in dem sich das Park Hyatt befindet.