[Ich muss dringend einen Kurs für „Zusammenfassungen von mittelmäßig-spannenden Tagen in interessanter Kurzform“ belegen. Bis dahin muss es folgender Eintrag sein.]
Sehr angetan von meiner Gewilltheit, heute diesen Punkt auf meiner nicht-existenten Liste der in Tokyo zu erledigenden Dinge, schaute ich mir zu Hause nochmal ein paar Meinungen zum Ageha im Internet an.
Der Tenor war: „Unglaublich riesig, der fetteste Sound, bis zu 5000 Leute, 4 Tanzflächen, Außenanlage mit Pool, Wahnsinn, etc.“.
Musikalisch irgendwas zwischen Techno, House und Hip-Hop, also so ziemlich dasselbe was unerklärlicherweise in 95% der Clubs hier läuft. Allein deshalb würde sich meine Begeisterung in nüchternen Grenzen halten.
Praktischerweise gibt es von Shibuya einen Gratis-Shuttle-Bus der einen direkt vor dem Ageha absetzt und auch noch die ganze Nacht viertel bis halbstündig durchfährt.
Nach dem Friseur (5250 Yen, die es mir aber jedesmal wert sind), war ich bis auf 2 1000er Yen-Scheine relativ blank, aber bei irgendeinem Kombini auf dem Weg würde ich schon Geld ziehen können.
Ich fand noch ein Yunker Kotei (in der noch mehr knallenden „Royal“-Version), das ich an irgendeinem Freitag gekauft hatte aber aufgrund vorzeitigen Abbruchs jeglicher Weggehpläne nicht mehr gebraucht hatte.
Ich trank ein Grapefruit-Chu-Hi - das jetzt aber wirklich mein letztes war - im Eiltempo aus, und das Yunker Kotei Schlangenserum hinterher. Es schmeckt definitiv nicht besonders gut, nichtmal nach Medizin, sondern einfach nur scharf.
Ich lief am 7/11 in meiner Straße vorbei und nahm mir vor in Shibuya in der Nähe vom Bus Geld zu ziehen. In der Bahn zogen drei bereits überschminkte blondierte Japanerinnen ihr Make-up nach; sie wurden kurz vor Shinjuku fertig.
Auf dem Ankunftsgleis konnte ich in die Yamanote-Ringlinie umsteigen, die noch eine Ecke voller war.
Shibuya ließ sich da auch nicht lumpen. Ein einziger Menschenstrom. Mal eher in die Station hinein, mal aus der Station hinaus. Ich ging aufs desaströs nach Pisse miefende Bahnhofsklo und dann beim Hachiko-Exit raus. Der Ausgang liegt direkt an Shibuya-Crossing, und das Bild das sich einem zu dieser Zeit bietet sieht ungefähr
so aus.
Auch wenn ich mich dort mittlerweile schon mehrmals mit Shoichi getroffen hatte sorgt der Anblick jedes Mal wieder für einen gepflegten Endorphinschub.
Ich bog nach links ab und machte mich auf den Weg zu der Busstation des Ageha-Shuttles, das auf der Website beschrieben war. Einen Kombini gab es auf dieser Seite nicht und so ging ich an einen Automaten, der sich an einer anderen Stelle im Bahnhof befand. Ich drückte meinen Pincode und bat um 12000 Yen. Der Automat ratterte zufrieden, spuckte meine Karte aus und dann..... nichts.
Ich probierte es noch einmal mit demselben Resultat. Diesmal versuchte ich noch die Nachricht auf dem Bildschirm zu lesen, konnte „Öffnungszeit“ und „dekimasen“ (nicht möglich).
Ich lief weiter zu einem Kombini, die ja wohl deutlich verlässlicher sein müssten als dieser bekloppte Bahnhof-ATM.
Family Mart, don’t break my heart.
Verdammt. Diesmal erkannte ich im Display, dass irgendwas mit “Mitsubishi-UFJ“ (meine Bank) nicht stimmte. Ich wurde langsam etwas nervös, denn 2000 Yen würden mit Sicherheit nicht für den Eintritt reichen.
Vergeblich zum nächsten Kombini gerannt.
Inzwischen war ich bereits einmal um den Bahnhof herum und die Gitter zu den Eingängen wurden heruntergelassen. Wenn das mit dem Geld nichts würde, würde ich hier festsitzen, bzw. vor dem Ageha. Auch der Lawson wollte mir kein Geld geben. Inzwischen wurde mir klar, dass die UFJ-Anbindung an die öffentlichen ATMs heute irgendwelche größeren Probleme hatte. Es gab zwar drei Filialien in der Nähe, aber die hatten bereits alle seit 21:00 geschlossen.
Mir fiel meine Kreditkarte ein, die zum selben Konto gehörte und ich fand einen Visa-Automaten neben einer unwirtlichen Gaijin-Kneipe in der Bryan Adams Lieder von mutmaßlichen Engländern oder Australiern gegröhlt wurden.
Blöderweise hatte ich meinen Visa-Pincode nicht im Kopf und mein normaler Pincode funktionierte nicht.
Ich zählte noch einmal mein Geld durch und fand doch noch zwei 500 Yen Stücke und ein bisschen mehr Kleingeld in meiner Tasche, mit dem ich immerhin auf 3500 Yen kommen würde, und was dann für den Eintritt mit Glück eventuell reichen könnte.
Ich hoffte auf mein Glück und ging Richtung Bushaltestelle.
Es war mittlerweile kurz nach 1:00. Ich sah einen Reisebus und davor einen Menschen mit „agh“-T-Shirt. Nachdem ich meine „Registrierter Ausländer“-Karte vorzeigte durfte ich hinein. Dort saßen sechs Personen, vier nicht großartig unterscheidbare Disco-Japanerinnen und zwei unscheinbare Japaner.
Ich nahm einen Platz im hinteren Drittel und schaute auf die Monitore, die das Programm des Agehas am heutigen Tag und den nächsten Wochen vorstellten. Es lief entsprechende Musik, die aber so schlimm nicht war. Bei einem der zukünftigen Events sah ich den Preis „4000Yen Ageha-Members, 4500Yen Non-Members“. Na großartig.
In dem Moment stürzte eine Gruppe bestehend aus ein paar Japanern und Gaijin-Frauen durch den Gang und plötzlich hatte ich einen Sitznachbarn
„OK to sit here?“. Sicher.
Um mich herum saßen drei Japaner, die Gaijins besetzten kollektiv die letzten beiden Reihen und ließen ihrem Prä-Adoleszenz-Party-Gebölke freien Lauf. Der Japaner neben mir schaute mich merkwürdig auffordernd an, schaute dann fragend zu seiner pummeligen japanischen Freundin, die irgendwie verschreckt den Kopf schüttelte und dann guckte mich der Japaner wieder an.
Ich stretchte innerlich schonmal meine Smalltalk-Muskeln.
Taka ist Student in Edinburgh und macht nun mit seinen englischen Kommilitonen Urlaub in Tokyo. Die Kommilitonen würden allerdings hierbleiben und ein Auslandssemester in Tokyo starten. Hätte ich ihn nicht gesehen, hätte ich niemals einen Japaner hinter der Stimme erwartet. Ich legte ihn unter „Der erste Japaner, aus dessen Mund ich das Wort ‚intriguing’ hörte.“ ab. Er nutzte es im Zusammenhang mit Tokyo, über das wir uns beide angemessen begeistert äußerten. Er fragte, was ich hier mache, ich erzählte es ihm grob, er hakte nach, was genau und ob ich mit anderen Ausländern zusammenarbeiten würde, wie lange ich das machen würde etc. Irgendwas stimmte aber nicht, seine Sätze strahlten Interesse aus, aber seine Mimik glitt immer in völlige Gleichgültigkeit ab.
Auf meinen Kommentar, dass sein Englisch vermutlich das beste ist, das ich jemals von einem Japaner hörte erklärte er, dass läge daran, dass er schon mit 12 nach England gegangen wäre. Ich: „Äh, mit Familie?“ Er schüttelte den Kopf und sagte etwas unverständliches, aber es klang nach „Just so.“ Danach begann ein kurzer bizarrer Monolog. „If you’re hungry, they’ll feed you, if you need a coat, they’ll give it to you. If you need a place to sleep, they’ll help you.”
Wir schwiegen.
Irgendwann fragte er: „Und, was treibt dich so nach Tokyo?“. Ich sah in seine geweiteten glasigen Pupillen. Na geil.
In dem Moment schwang sich auch schon ein Australier vor mich und riss das Gespräch an sich, was einfach war, denn Taka war in eine Art Wachschlaf gefallen und ich völlig perplex.
Shaun war etwas jünger als ich und hier ebenfalls nur im Urlaub (bereits zum vierten Mal), aber zum ersten Mal auf dem Weg ins Ageha. Er war ziemlich okay und angenehm betrunken. Im Prinzip unterhielten wir uns über Musik, Tokyo und Japan im Allgemeinen und relativ schnell trat das ein, was ich befürchtet hatte: der erste Gaijin, mit dem ich ins Gespräch komme stellt sich als extrem angenehmer und freundlicher Mensch heraus.
Später kam ein zweiter Kumpel dazu, der wohl der Mitbewohner von Taka in Edinburgh war und jetzt hier für ein Jahr in Japan studieren würde. Die Info wie hier die Engländer-Japaner-Gruppe mit dem Australier zusammenpassten bekam ich nicht mit.
Was ich ebenfalls fast verpasste war der teils großartige Anblick, der sich einem vom Bus aus bot. Da Shin-Kiba, der Ort in dem sich das Ageha befindet, auf der Ostseite des Tokyo Bays liegt fuhren wir über eine lange Brücke und sahen in ein paar Kilometern Entfernung die Skyline und die Riesenräder der Vergnügungsinsel Odaiba.
Schon deswegen war ich froh, mich heute hierzu entschlossen zu haben.
Mir fiel wieder ein, dass ich vermutlich ein Geldproblem haben würde und fragte Shaun ob er wisse, wieviel heute der Eintritt wäre. Als er verneinte, erzählte ich peinlich berührt meine Geschichte. Er wunk sofort ab und sagte, ich soll mir mal keine Gedanken machen, er könne mir was leihen. Sei nicht so nett, Arschloch.
Wir kamen an einer Lagerhalle im Niemandsland an.
Schon beim Bus war ich überrascht, dass er so leer war und auch vor der Halle war kaum etwas los. Ich würde doch nicht etwa wieder in einem ¾-leeren Club landen.
Die Gruppe, die insgesamt aus 12-14 Personen bestand musste sich erstmal sammeln und da ich mich nicht dazudrängen wollte, deutete ich Shaun, dass ich vorgehen würde, schon allein um die Bezahlmöglichkeit auszuchecken.
Die Absperrbänder vor der Halle waren definitiv für einen Massenansturm gemacht, ich konnte allerdings direkt bis zur Ausweiskontrolle durchlaufen. Zwei Mädchen räumten Taschen in Schließfächer, sonst war dort niemand. An der Ausweiskontrolle erkundigte ich mich nach Visa-Bezahlmöglichkeit, was direkt bejaht wurde. Geilo.
Die Kasse bestand aus drei schwarzlicht-neongrün beleuchteten Fenstern hinter denen uniformierte Frauen saßen. Eintritt 4000 Yen. Ich legte meine Karte an den Durchgabeschlitz, bekam die „No no.“-Geste und die Karte wieder zurückgeschoben. Raus zum Türsteher, der gerade die Aussie-Engländer-Japaner-Gruppe kontrollierte. Auf mein verwirrtes „Visa ga ikenai.“ („Visa geht nicht.“) erklärte er mir, Eintritt ginge nicht, aber Alkohol könne man an den Bars damit kaufen. Also doch zu Shaun, der mir sofort 500 Yen gab und fragte ob ich noch mehr bräuchte. Ich verneinte und versprach ihm, es in Drinks zurückzuzahlen (vermutlich wäre es rein preislich schon mit einem Softdrink abgegolten).
An der Kasse bekamen wir ein Ticket, auf dem viel Text und ein großes „1500 Yen“ stand. Wir hielten es für ein Drink-Ticket. Bevor wir wirklich reinkonnten mussten wir noch durch eine Abtastkontrolle. Ich packte iPhone, Schlüssel und Portmonnaie in einen kleinen Kasten und ließ mich abtasten. Selbst zusammengeknüllte Papiere wurden aus meinen Hosentaschen gezogen und kontrolliert. Dann waren wir drinnen und standen in einer Art Vorraum der größer war als das Que in Shimokitazawa. Aber das war auch nicht schwer. Es war ziemlich futuristisch und so stylisch, wie sich Club-Bauer in den 00er-Jahren halt Style vorstellen. Wir liefen zur Bar, und ich verschob meine Abgeltungs-Aktion auf später zu verschieben, da wir ja offensichtlich Drinktickets hatten.
Ich nahm Jägermeister-Cola. Lange nicht getrunken. Das Drink-Ticket war kein Drink-Ticket, sondern Rabatt für den nächsten Besuch.
Im Vorraum war hinter eine Ecke bereits eine kleinere Tanzfläche zu sehen, bei der ich aber nicht sicher sagen konnte, ob es hier schon als „Floor“ galt. Wir gingen in den größeren Raum, aber ich stellte fest, dass die Gruppe auch ohne mich gut auskam, warum auch nicht und wollte mich nicht weiter aufdrängen.
Das hier ging schon ganz gut als größere Tanzfläche durch, und es war tatsächlich auch ziemlich voll. Zumindest war die Tanzfläche zu ¾ gefüllt und nicht leer. Das konnte ich deswegen so genau erkennen, weil hier in Japan – ähnlich wie bei einem Konzert – alles vor dem DJ tanzt. Und es tanzt auch niemand mit dem Rücken zum DJ, zumindest die Japaner nicht. So war dann das letzte Viertel der Tanzfläche verwaist.
Über ca. 10 Treppenstufen kam man zur Tanzfläche hinunter.
Die Musik war angenehm bratzig und nicht der müde Trance-Techno, den ich erwartete. Aber was weiß ich schon. Ich muss vermutlich meine Techno-Vorurteile nochmal richtig justieren. Es klang jedenfalls nicht so, wie ich mir Dream Dance 47 (mit dem CGI-Delphin-Cover) vorstellte.
Wieder konnte ich ein Phänomen beobachten: westliche Frauen tanzen hier fast alle so „Wuuuh“-mäßig überdreht mit den Armen nach oben. Ihr fallt doch eh auf, jetzt übertreibt es doch nicht.
Am meisten Spaß hatte ich an den Lasern. Drei Laser-Systeme nebeneinander über dem DJ, und noch eines gegenüber. Ich wusste nicht, zu welchen Farben und Formen die überhaupt im Stande sind. Auf dem „Wire“-Festival wurde das schonmal angedeutet, hier war es nochmal eine Stufe Kinnlade-aufklappender. Es macht keinen Sinn, das zu beschreiben. Malt euch schöne Tron-Speed-Trips in Pastellfarben aus, oder sowas.
Die Tanzfläche war groß, konnte aber bei weitem nicht mit den erwarteten Superlativen mithalten. Im Umland Hannovers gibt es größere Großraumdiskotheken (habe ich gehört).
Aber warum sollte die Disco auch soviel größer sein, als andere Diskotheken auf der Welt, wo hier doch eh so gut wie alles im Miniaturformat ist.
Da ich mich bei der Musik nun wirklich nicht in Ekstase tanzen konnte, suchte ich den Pool.
Die Treppenstufen wieder hoch und meinen Gang zum Ende der Halle fortgesetzt. Man kam über weitere Stufen zu einer zweiten Bar und dann nach draußen. Der Pool war mickrige 4x4m groß.
Ich glaub mittlerweile ernsthaft, dass die meisten Leute die über Tokyo schreiben Angst davor haben, Erwartungshaltungen beim Leser nicht zu erfüllen. Das hier ist alles anderes als „Huuuuuuuge!“ und auch kein „Sick Club“. Der Club geht okay und ist für Leute, die auf die Musik steilgehen bestimmt ne super Adresse, aber man muss ja aufgrund der Stadt nicht gleich durchdrehen.
Die Musik am Pool war noch besser und ich blieb dort bestimmt 1,5 Stunden. Der Pool befand sich am Tokyo Bay und die Atmosphäre war ziemlich super. Zudem wirkte mein Yunker Kotei Getränk immer noch zuverlässig.
Insgesamt waren deutlich weniger Gaijins anwesend als ich erwartete. (Ich hab mich diesbezüglich bald mal locker gemacht, versprochen).
Am Pool stand nur eine Blonde mit Pferdegesicht und nach obengestreckten Armen. Jemand muss Frauen mal sagen, dass es nicht gut aussieht wenn man beim Tanzen die Füße immer abwechselnd mit der Innenseite nach vorne stellt. O-Beine galore und fast so schlimm wie Ententanz-Pump-Bewegungen mit angewinkelten Armen.
Ihr hin und her mäandernder Blick zeigte relativ deutlich, dass sie Aufmerksamkeit brauchte, bzw. auch bekam. Nichts neues.
Was relativ zuverlässig funktioniert, ist sich irgendwo zwischen die Leute zu stellen, etwas ausladendere aber einfache Tanzbewegungen zu machen und dann beim Tanzen Blickkontant zu suchen. Passiert mir ab und zu versehentlich, aber sobald ein kurzer Blickkontakt hergestellt ist, ist es zu spät. Dass es einem begeistert nachgetan wird, ist so gut wie immer der Fall.
Das unvermeidliche „Ahh, German, Ballack, Schweinsteiger“-Gespräch hatte ich auch noch. Der Typ fragte mich, mit wem ich hier sei, worauf ich „Allein“ erwiderte, was ihn wiederum anspornte, mich – während er auf eine in der Nähe stehende Mädchengruppe zeigte - zu fragen „Who do you want?“. Ich winkte ab. Allgemein sah ich keine Japanerinnen, die ich irgendwie interessant fand, mal ganz davon abgesehen, dass ich solche billigen Bekanntmachungs-Geschichten eh nicht abkann, weil sie allein der Tatsache geschuldet sind, dass ich Ausländer bin. Eine Mischung aus Respekt davor so etwas nicht auszunutzen und Verärgerung darüber für so billig gehalten zu werden.
Typ ließ mich dann in Ruhe, konnte sich aber auch ein späteres „Ey, German, having fun?!“ nicht nehmen lassen.
Ich ging wieder rein, denn ich hatte ja noch etwas zu begleichen. Ich sah Shaun mit zwei Engländerinnen und einem weiteren Westler den ich vorher nicht gesehen hatte an einem Tisch stehen und bestellte schnell zwei Calpis-Wodka.
Shaun machte mir Platz am Tisch und wollte den Drink erst nicht annehmen. Ich sagte, dann soll er ihn halt verschenken, aber er soll ihn annehmen, immerhin wäre ich ohne ihn wohl nicht hier drin. Ich fragte ihn, wie er es hier fände und er gab ein „Yeah, it’s alright“ von sich, das auf der 1-10-Begeisterungsskala irgendwo zwischen 1 und 2 rangierte.
Shaun stellte mir noch den Vierten am Tisch vor. Franzose, aber den Namen vergaß ich. Er machte ein mir spontan enorm sympathisches „Ich steh hier eigentlich nur grad, lass mal nicht zuviel Aufhebens machen, ´kay?“-Gesicht und sprach bis auf das „Hi.“ wirklich kein Wort.
„You knauw Bloc Pa-ay?“ fragte die dunkelhaarige Engländerin an niemanden speziell gerichtet. „They are sooo a-maaaaazing! A-MAAAAAAZING“. Shaun und ich sagten, das erste Album wäre geil gewesen, der Rest eher nicht so, was sie sehr empörte.
Ich fragte spontan, ob sie die Maccabees kenne (so als Enländerin, ne), was sie verneinte und mich empörte. Ich sagte, sie müsse die mal auschecken, wenn sie Kram wie Bloc Pa-ay möge, worauf sie erwiderte, sie fände sie eh hauptsächlich wegen des hotten Lead-Singers so geil. Frauen.
Ich erspähte ein Vorankündigungsplakat. Diplo würde in der Silverweek (das nächste lange Wochenende) hier auftreten. Leider werde ich dann auf Ni-Jima (Insel südlich von Tokyo mit Muto-san surfen).
Ich fragte in die Runde, ob jemand Diplo kenne, worauf die andere rothaarige Engländerin diese „Boah hör auf“-Geste mit der am Hals hin und her pendelnden flachen Hand brachte. „He’s shite! He’s so fucking shite. You know 2 Many DJ’s? Amaaaazing!“
Wurde mir irgendwann zu blöd. Ich sagte, ich würde wieder reingehen, was Shaun, Ginger-Spice und Posh-Spice eine super Idee fanden. Der Franzose wurde noch sympathischer, als er ein „Ne geht mal, ich komm gut alleine klar.“-Gesicht machte. Der konnte aber auch gute Gesichter machen.
Auf der Tanzfläche löste ich mich von den dreien und ging wieder zum Pool, wo die O-Bein-Blonde immer noch mit den Armen nach oben tanzte.
Ich stellte mich irgendwo hin und war zufrieden mit dem Abend. Ich bin hier aber auch relativ leicht zufriedenzustellen. Was die Disco jedenfalls angenehm macht, ist das unprollige Ambiente und allgemein so gut wie keine Spacken. Selbst die meisten Gaijins halten sich trotz gelegentlicher Attention-Attacken angenehm zurück.
Taka sah ich gar nicht mehr, genausowenig wie seinen Mitbewohner.
Draußen kam mir noch einmal der Franzose entgegen und wir nickten verständnisvoll einander zu.
Es wurde 5:00 und ich machte mich auf dem Weg zum Bus. Am Ausgang bekam jeder noch eine Tüte mit Werbung in die Hand gedrückt, die auch jeder brav mitnahm und nicht beim nächsten Mülleimer wegschmiss.
Für den Rückweg brauchte man anscheinend ein Ticket, das man im Ageha hätte kaufen können und ich entschloss mich, die Bahn zurückzunehmen. Die Station sah ich in guter Entfernung.
Ich traf dort Taka wieder, der immer noch ziemlich benommen wirkte, aber nach meiner Telefonnummer fragte, weil die anderen ja bestimmt mal was mit mir unternehmen könnten. Unfähig eine gute Ausrede oder eine falsche Nummer zu sagen, gab ich sie ihm.
Mit der Yurakucho-Line ging es nach Iidabashi, wo ich dann in die Tozai-Line stieg.
Um 6:30 war ich zu Hause.
Liebes Tageblog, danke für’s Durchhalten.