November 23, 2009

Clubben: "Ever" in Aoyama


Total in Aoyama verfranst, das wir mittels eines Umstiegs in Shibuya und insgesamt 30 Minuten Fahrtzeit erreichten. Aoyama ist so ziemlich das poshigste Viertel Tokios. Wir kamen mit einer der letzten Bahnen an der Omotesando an, die tagsüber DIE Flaniermeile Tokios ist, zu dieser Zeit aber menschenleer. Nicht im Traum würde man auf den Gedanken kommen, dass hier irgendwo auch Parties stattfinden würden. Es fühlte sich an als würden im Umkreis von 100 Metern nur 2 Personen nicht im Bett liegen.
Wir verliefen uns also weil ich es nicht für nötig hielt, zwischendurch meine iPhone-Navigation zu prüfen und zu sehen, dass wir in exakt die falsche Richtung liefen.
Das "Ever" hatten einen völlig unscheinbaren Eingang, wie irgendwie alle Clubs hier. Ich habe bisher keinen Club gesehen, an dem sich vor dem Eingang ein Pulk bildete. Vielleicht in Roppongi.

Der Abend in Stichpunkten:
  • Club: zweites Untergeschoss mit recht hohen Decken, etwas zu steril aber mit zwei kleineren Tanzflächen (unterschiedliche Musik) und einer Bar dazwischen ganz nett aufgeteilt.
  • Musik: Interpol, The Rapture, Justice, zuviel Bloc Party, Passion Pit, Arctic Monkeys, Animal Collective, Friendly Fires, einige Klassiker (Joy Division, The Smiths, The Cure), Yeah Yeah Yeahs und.....Foals! Ich war sehr hingerissen.
  • Von 1:30 bis kurz nach 2 trat eine japanische Girlgroup auf, die irgendwie nach Sleater-Kinney ohne Intensität klangen. In Verbindung mit der durchaus ihr Handwerk verstehenden Frontfrau und den im völlig abgedunkelten Raum die Wand entlang schleichenden Discokugelreflektionen. Merpeoples. Auf Konserve dann irgendwie doch ganz gefällig. Findet Ann nicht.
  • Keine Indie-Dresscode - wie gesagt, die Indie-Szene steckt hier irgendwie noch in den Kinderschuhen, was sehr positiv gemeint ist.
  • Gaijin-Anteil bei ca. 50%, und das ist vorsichtig geschätzt. Klar was das bedeutet: Leute die in allem laut sind. In ihren Gesprächen, in ihren Bewegungen, in ihren Gesten, beim Tanzen. Wie mich dieses "Augenkontakt"-Tanzgebaren nervt. Diese Leute halten oder suchen ständig Augenkontakt mit ihrer Peergroup, und versuchen sich in "verrücktem" Tanzen zu überbieten. Eine blonde Ami-Bratze schrie den Barkeeper mit "Yeaaah, arrigahtoohh, wooooou!" an, als er ihr ihren Vodka-Longdrink machte. Erinnerte mich sehr an die hier.
  • Praktischerweise wurde mir immer durch Ann mitgeteilt, wenn mich irgendeine weibliche Anwesende "abgecheckt" hat. War nur zweimal der Fall, während sie von einem Amerikaner angesprochen wurde. Mehrmals, selbst als ihm klarwurde dass ich zu ihr gehöre. War die Anmache, sich vor ein Mädchen zu stellen und sie zu einem High-Five aufzufordern jemals etwas anderes als erbärmlich? Zudem wurde ihr von einem Japaner ein Bier beim Tanzen angeboten, und ein anderer versuchte sie mit ungelenken Dancemoves anzubalzen.
  • Wie schon im Que-Club in Shimokitazawa war wieder eine VJane am Start die auf zwei Leinwänden Videos der Bands einspielte. Nicht selten wurde das Musikvideo eines Liedes gespielt, das gerade nicht lief.
  • 2300 Yen mit einem Drink-Ticket das für ein Getränk zwischen 500 und 800 Yen nutzbar ist. Untere Preisklasse Tokios und so verschiebt sich auch die eigene Wahrnehmung, dass man denkt man würde auf eine "günstige" Party gehen.
Club: 9/12
Leute: 6/12
Musik: 10/12
Gesamt: 8/12

Nächste mögliche Party: Vanity (VANITY is an ELECTRO/DANCE-ROCK party. A mix of models, fashion kids, hipsters. Urks.)

1 Kommentare:

Pete Goat hat gesagt…

holy bonsai, geht das endlich wieder ab hier! JUHU!